Kulturerbe

Kulturerbe

Tradition ist die Bewahrung des Feuers und nicht die Anbetung der Asche

Gustav Mahler

Unter deutsch-jüdischem Kulturerbe wird die Gesamtheit aller Lebensäußerungen verstanden, in denen sich deutsch-jüdische Identität im weitesten Sinne manifestiert. Sie repräsentieren – im Einzelnen, wie im kollektiven Zusammenhang – Aspekte des kulturellen Gedächtnisses, welches sich in den verschiedenen historischen Phasen und Formen des deutsch-jüdischen Zusammenlebens gebildet hat. Darunter werden alle authentischen Phänomene subsumiert, die durch eine Form der einseitigen oder wechselseitigen Beeinflussung der deutschen und der jüdischen Kultur charakterisiert sind, unabhängig von einer Bewertung des potentiellen Grades des Assimilations- bzw. Akkulturationsprozesses. Materielles Erbe, wie Kunst-, Alltags- oder sakrale Gegenstände, die über ihre stoffliche Komponente hinaus eine ideelle Bedeutung aufweisen, sind ebenso relevant wie das immaterielle Erbe, das sich in kulturellen Techniken, Praxen, Kenntnissen und performativen Akten äußert.

Dem Projekt liegt ein nicht statisches Konzept von Kulturerbe zugrunde, das sich nicht nur darum bemüht, die Artefakte einer historisch abgeschlossenen Phase zu systematisieren. Das Projekt arbeitet mit einem relationalen, prozessorientierten Begriff von Kultur, der das Soziale jenseits funktional-strukturalistischer beziehungsweise simplifizierend materialistischer Zugänge konzeptualisiert und sich auch um ein Verständnis für symbolische Inhalte, Rituale und Handlungen bemüht. Die Transformationsprozesse und Beeinflussungen durch Assimilationsvorgänge, welche das deutsch-jüdische Kulturerbe in den verschiedenen Exilheimaten durchlaufen hat, sollen ebenso Berücksichtigung finden. Geographisch beschränkt sich das Projekt nicht auf die territorialen Grenzen Deutschlands, sondern blickt auf alle Orte des Zusammentreffens deutscher und jüdischer Kultur. Das Projekt strebt keine abschließende Beantwortung der Frage nach der jüdischen Identität (Mihu Jehudi) an, sondern erfasst alle Phänomene, die nach kulturellen oder religiösen Aspekten die Selbst- oder Fremdzuschreibung Jüdisch erfahren haben. Verschiedene Konzepte des Jüdischen bzw. des Deutsch-Jüdischen können in dem kumulativ arbeitenden Projekt koexistieren und die Heterogenität der verschiedenen Definitionen kann somit in der Datenbank abgebildet werden.

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